Neulich bei Lippermanns in der Küche…

Wie ich aus zahlreichen Leser-Reaktionen erfahren habe, ist für viele Klausis Mutter der heimliche Star in ‚Die Abbieger‘. Und Elfriede Lippermann weiß, wie der Hase läuft, von ihr könnt ihr noch was lernen. Gestern nachmittag in der Küche ihres Zechenhauses:

„Klausiiii… tu doch deine Mutti mal nach Hombruch in den Laden von den Herr Mayer mit die Büchers fahren.“
Klaus-Werner Lippermann erschrak über diesen exotischen Wunsch seiner Mutter und verschluckte sich fast. Was heckte Elfriede jetzt schon wieder aus?
„Jetzt guck nicht so prokorötig, Junge. Ich muss Geschenke kaufen, für Ostern.“
„Ja, also, Mutti…Du hast doch noch nie Bücher verschenkt, und Ostern ist doch erst…“
„Klausi, Klausi. Du kriegst auch nix mit vom Leben. Et gibt da doch dat neue Buch mit die Staus und die Tierkes. Die Abbieger heißt dat. Lustig und spannend. Dabei geht et sich zwar um Karnickels, aber zum Hasenfest … Hauptsache, lange Ohren. Und bevor dat Büchsken überall ausverkauft is, tu ich mich jetzt schon ein paar Exemplare besorgen. Zum Beispiel für die Frau vom Sozialdienst, die mich immer hilft, und für die Frau Koslowski ausse Zechenstraße. Damit die mal auf andere Gedanken kommt. Der ihre Tochter, dat Claudia, is ja immer noch wech. Wahrscheinlich durchgebrannt mit einem von die Yüksel-Jungs. Die Claudi kann so schön singen, dat wäre so eine nette Schwiegertochter gewesen…“
Lippermann erhob sich, schluckte den Rest seiner Möhre hinunter und unterbrach die aufkommende Schwärmerei seiner Mutter für die Amateur-Schlagersängerin: „Dann lass uns jetzt fahren, bevor die letzten Exemplare weg sind. Ich warte dann am Besten im Auto, während Du einkaufst.“
„Nix da, du kommst schön mit rein. Da arbeiten ganz nette Buchhändlerinnen, dat weiß ich aus sicherer Quelle. Vielleicht ist ja für dich eine dabei…“
Resigniert griff Klaus-Werner nach dem Autoschlüssel und setzte seine braune Kordsamt-Kappe auf. Wenn Du wüsstest, Elfriede, dachte er, während er mit seiner Mutter das Haus verließ.

Gespaltene Persönlichkeit

Natürlich hat das Buch ‚Die Abbieger‘ noch andere Facetten, aber auf das Hauptthema ‚Autobahn-Staus‘ fahren derzeit alle ab. Gleichzeitig gibt es im Ruhrgebiet einen der schlimmsten Mordfälle seit Jahren: Explo2Der 19jährige Marcel H. hat in Herne einen 9jährigen Nachbarsjungen erstochen, vielleicht einen weiteren Menschen umgebracht. Die Polizei sucht Marcel seit Tagen. Wir Reporter suchen mit, bemühen uns, mehr über den seltsamen Nerd herauszufinden. Besonders, wenn man alle grausamen Bilder kennt, die Marcel von seiner Tat selbst geschossen und ins Netz gestellt hat, auch die, die man dem Zuschauer nicht zumuten kann, fällt es schwer, umzuschalten.

abbieger borbeckVom toughen Reporter auf den lustigen Autor, der eine Pressekonferenz zum Erscheinen von ‚Die Abbieger‘ gibt, sein Publikum bei Lesungen unterhält, Abbieger Lesung DO Sta-La-Biin der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund oder dem Trauzimmer von Schloß Borbeck in Essen. Auch bei launigen Radio-Interviews oder Dreharbeiten mit der realen Chefin Straßen.NRW Chefinvon Straßen.NRW habe ich die andere Geschichte immer im Hinterkopf. Aber diese Termine, bei denen die Leute sich freuen, mich zu sehen oder mir zuzuhören, mir nicht die Tür vor der Nase zuknallen oder genervt abwinken, sobald wir die Kamera anschalten, bauen mich auch auf.Abbieger screen chefin Sie erinnern mich daran, dass das Leben nicht nur aus Not und Elend besteht, sondern auch schöne Seiten hat.

Sankt Martin

Der Mann tat Tom Leid. Er saß auf der zweituntersten Stufe der Treppe neben dem unteren  Eingang vom Kaufland in Barop, da wo die Autos parken und wo sich auch der Getränkemarkt befindet. Es war kurz vor elf Uhr morgens, er hatte eine halbleere Flasche Dortmunder Kronen in der Hand, einen komischen Hut auf, und er schien zu frieren.

Heute war St. Martin. Der Gedenktag des Bischofs von Tours, der als römischer Offizier seinen Mantel mit dem Bettler im Straßengraben geteilt hatte. Vielleicht war das ein Zeichen, dachte Tom. Spontan zog der Reporter seine Lederjacke aus, leerte die Taschen und hielt sie dem Mann  mit fragendem Blick hin. Der Mann sah Balzack erst verständnislos an, zeigte dann nach rechts, Richtung ATU. „Hömma, bin ich hier die Auskunft? Wennse den Altkleidercontainer suchst, der is irgendwo dahinten, da kannste Deinen Lumpen reinschmeissen!“

Arschloch.

Wie spricht der über meine Lederjacke, dachte Tom.  Sie war mal schwarz gewesen, und preiswert und ziemlich steif. Vom langen Tragen war sie jetzt weich wie Penisleder. Mittlerweile abgeschabt, mehr grau und braun als schwarz. Das Innenfutter eigentlich gestreift, aber mit der Tinte eines ausgelaufenen Filzstiftes gesprenkelt. Das würde man allerdings nur sehen, wenn Tom die Jacke mal ausziehen würde. Was selten passierte. Anfangs war sie etwas zu weit gewesen, mittlerweile passte sie wie angegossen. Na gut, die Ärmel waren immer noch etwas zu lang, aber das ersparte im Winter die Handschuhe.

In dieser Jacke hatte er geschwitzt vor Angst, als der Itaker bei der Spurensuche nach den Mafiamorden in Duisburg die Wumme dauf gehalten hatte. Er hatte darin gefroren vor Kälte, wenn er an einem warmen Herbstmorgen im Ruhrgebiet noch nicht wusste, dass er nachmittags im Sauerland im Schneetreiben vier Stunden vor einem Mordhaus warten musste. Der Kaffee, darüber gekleckert während der Fahrt durch Schlaglöcher, hatte kaum Spuren hinterlassen. Die Pommes ein paar unbedeutende Fettflecken. Auf der Rückseite war das Leder etwas abgeschabt. Da war die Schüppe von dem Pizzaboten, der in den Salat gespuckt hatte, entlang geschrappt, als er eigentlich auf die Kamera einschlagen wollte, weil sie ihn gefilmt hatten. Wenn diese Jacke erzählen könnte…

Das Beste an ihr war aber der Eigengeruch, den sie im Laufe der Jahre angenommen hatte. Tom würde sie im Dunkeln und blind erkennen. Die riecht nach, nach… einfach unverwechselbar gut. Nach ihm eben.

Eigentlich hat er mir ja einen Gefallen getan, dachte Tom.

Dieser ignorante Penner auf der zweituntersten Stufe vorm unteren Eingang des Baroper Kauflands, der seine Lederjacke jetzt zum Glück nicht haben wollte, trug übrigens so einen leichten Bergsteigerparka, mit gelben Tatzen darauf, für das Wetter viel zu kalt, aber nur leicht verwaschen. Wahrscheinlich ein Geschenk, das er akzeptiert hatte. Der höchste Gipfel, den dieser Parka mit dem je gesehen hat, da war Tom Balzack sich sicher, war der obere Eingang vom Kaufland. Und auch nur, falls es da Freibier gegeben habe sollte.

„Was soll denn der Scheiß?“, zischte Charly ihrem Freund zu und zog ihn weiter.

„Ich wollte dem armen Mann doch nur etwas Gutes tun, und Du hast doch gesagt, ich brauche sowieso eine neue“, antwortete Tom beleidigt, während er im Gehen seine Utensilien wieder in die Taschen seiner Lederjacke packte.

„Ach so, und dieser Mensch soll sich damit als Reporter verkleiden, oder was?“, fragte seine Freundin ironisch. Als sie Toms verständnislosen Blick bemerkte, fügte sie kopfschüttelnd hinzu: „Manchmal habe ich bei dir echt den Eindruck, dass Du als Kind zu nah an der Wand geschaukelt hast. Heute ist der 11.11., der Mann wartet auf seine Kumpels, um mit denen um elf Uhr elf den Karnevalsauftakt zu feiern. Was soll der also mit deiner schäbigen alten Jacke machen?“

Werner Mauss vor Gericht


Er war eine Legende, galt  als deutscher James Bond. Wenn BND oder Verfassungsschutz heikle Aufgaben im Graubereich zu erledigen hatten, bei der weltweiten  Terroristenjagd oder bei Geiselbefreiungen, wurde der freischaffende Künstler Werner Mauss eingesetzt. Und immer fürstlich honoriert, sein Privatvermögen soll sich auf um die 100 Millionen Euro belaufen.  In Bochum steht Werner Mauss, alias Klaus Moellner, alias Dieter Koch, alias… seit heute wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.  Laut Anklage soll der Ex-Agent  in den Jahren 2002 bis 2013 Einkünfte zwischen 1,87 bis 5,22 Millionen Euro verheimlicht haben, wodurch sich Einkommenssteuerhinterziehungen in Höhe von insgesamt 14.453.538 Euro sowie nicht gezahlte Solidaritätszuschläge in Höhe von 794.443 Euro errechnen. Er selbst sagt, das sei gar nicht sein Geld, sondern ein Fonds, der von verschiedenen Firmen und Institutionen gespeist worden sei, Kampfgeld für seine Geheimaktionen.  Den Spießrutenlauf  durch den Haupteingang, vorbei an der Phalanx wartender Kameras, ersparte das Gericht dem Mann, von dem bis zum Jahre 2000 nicht einmal ein Foto existierte. Im Gerichtssaal  konnte er den Journalisten nicht mehr entkommen, dort demaskierte sich die lebende Legende. Wer Haarteil und Camouflage-Theaterschminke erwartet hatte oder selbstbewusstes  Zeigen des Gesichts, wurde enttäuscht. Der 76jährige Mauss  präsentierte sich mit ins Gesicht gezogener Kapuze im schnöden  blauen Anorak, wie James Bond ihn nicht einmal auf der Skipiste in Willingen im Sauerland  tragen würde.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

Eine „62jährige Essenerin“ ist in der Essener Innenstadt beim Geldabheben beobachtet, verfolgt und vor der Einfahrt zu einer Tiefgarage überfallen worden. Der Tatort  lag in Sichtweite des Polizeipräsidiums, „die Tiefgarage an ihrem Arbeitsplatz“. Dort hat ein Mann aus einer Gruppe von insgesamt vier Personen die unverschlossene Beifahrertür des Autos geöffnet und versucht, eine Handtasche vom Beifahrersitz zu entwenden. Aufgrund der lauten Hilfeschreie der Frau blieb es beim Versuch, die Täter flüchteten. Ich habe mich bei der Schilderung des Tatablaufs an den Polizeibericht gehalten. Darin ist an keiner Stelle von einem bewaffneten oder unbewaffneten Angriff auf das Opfer die Rede. Trotzdem schreibt die Polizei aber von einem „Raubüberfall“. Ein Raub setzt aber Bewaffnung oder Gewaltanwendung des Täters voraus, davon ist im Bericht nicht die Rede. Es scheint sich viel mehr um einen einfachen Diebstahl zu handeln, der Wegnahme eines Gegenstandes aus einem unverschlossenen Behältnis – der zudem noch im Versuch stecken blieb. Tatzeit war Dienstag, der 26. 07.16, gegen 12:15 Uhr. Drei Tage später, am 29.07.16, veröffentlichte die Polizei erste, unscharfe Lichtbilder. Heute, am Montag,  08.08.16 schob sie ein gestochen scharfes  Foto eines der mutmaßlichen Täter aus einer Überwachungskamera nach.

Eine gute Stunde vorher hatte die Polizei heute bereits das Foto eines anderen Verdächtigen veröffentlicht. Dieser Mann soll aus einem zuvor aufgebrochenen Opel Corsa eine Tasche mit Kreditkarten gestohlen und dann mit den Karten Geld abgehoben haben. Dabei wurde er fotografiert,  an einem Essener Geldautomaten. Es ist also ein Schaden entstanden, dem Karteneigentümer oder dem Geldinstitut. Am 25.Januar 2016 gegen 13.00 Uhr.

Fällt euch etwas auf? In dem einen Fall dauert es drei Tage, in dem anderen länger als sechs Monate, bis das Fahndungsfoto veröffentlicht wird. Die zweite Variante ist der typischere zeitliche Abstand zwischen Tat und Foto-Fahndung.

„Warum bringt ihr die Bilder nicht zeitnah? Nach mehreren Monaten, gar einem halben Jahr kann sich doch kein möglicher Zeuge mehr an so einen Menschen oder Einzelheiten erinnern!“, fragen wir Journalisten die Beamten, natürlich nicht nur in Essen, immer wieder. Die Polizeisprecher verweisen dann darauf, dass es an ihnen nicht läge, aber es bedürfe eines richterlichen Beschlusses für die Lichtbild-Fahndung. Und das dauere eben. Wenn man bei Richtern nachhakt, argumentieren sie damit, dass eine Veröffentlichung den Anforderungen an den Datenschutz genügen müsse, das  müsse sorgfältig geprüft werden. Und das dauere eben.

Und warum mahlen die Mühlen bei Polizei und Justiz in unserem Ausgangsfall plötzlich im Rekordtempo? Warum werten die einen die Überwachungskameras so schnell aus, geben die anderen so schnell die Genehmigung für die Lichtbildfahndung? Schließlich dürfte es sich lediglich um einen versuchten Diebstahl handeln, bei dem niemand zu Schaden kam, weder körperlich noch materiell. Genau mit dieser Begründung werden solche „Bagatellfälle“ normalerweise nicht groß verfolgt und wegen Überlastung der Behörden schnell eingestellt.

Im Polizei-Pressebericht stand übrigens nicht, dass es sich bei der „62jährigen Essenerin“ um eine Richterin handelt. Zum Glück werden vor Gericht alle Menschen gleich behandelt. Vor der „Tiefgarage an ihrem Arbeitsplatz“ dann anscheinend nicht mehr.

Wenn ich die Polizei zu diesem Sachverhalt jetzt offiziell anfrage, wird sie mir offiziell antworten, dass man nicht anders ermittele als in vergleichbaren Fällen. Die Brisanz läge mitnichten im Beruf des Opfers, sondern darin, dass es sich dem Anschein nach um eine internatioal agierende Bande mit hoher krimineller Energie handele.

Ich hingegen behaupte: Die aufwendige Auswertung von Kameras beim Kreditinstitut und an der Tiefgarage, durch die man erst feststellte, dass es wohl weitere absichernde  Täter gab, wäre in einem „normalen“ Fall von versuchtem einfachen Diebstahl erst gar nicht erfolgt. Es ist das Eindringen der Kriminalität in die räumliche und persönliche Lebenswelt, die diesen Fall für Polizei und Justiz so brisant machen. Wie es ein Ermittler einmal ausdrückte: „Erst wenn ein zuständiger Richter mal Opfer eines Einbruchs oder eines Straßenräubers wird, wird es auch für auf frischer Tat festgenommene Mehrfachtäter endlich mal Untersuchungshaftbefehle geben.“

Die letzte Passage würde natürlich keine Zeitung drucken, kein Sender ausstrahlen – weil nicht mit Fakten nachweisbar. Als Journalist hat man normalerweise keinen Zugriff auf Ermittlungsakten, die die schnelle Verfahrenseinstellung in vergleichbaren Fällen belegen würden.

Deshalb schreibe ich Bücher.

Leichtes von Schweres?

Nach langen und zähen Verhandlungen (also einem fast zehn minütigen Telefongespräch) habe ich die Verlegerin heute vom Konzept des vierten (und vielleicht letzten?) Teils der Krimireihe um Schüppe & Balzack überzeugt. Sie glaubt, die Grundthematik könnte dieses Mal zu dem passen, was Buchhändler gerade gern ins Sortiment nehmen: In diesen harten Zeiten eher ‚etwas Leichteres‘, unpolitisch, die Handlung nicht zu kompliziert, nicht zu düster, nicht zu viele handelnde Personen. Es sollte lustig sein. Und  möglichst an schönen Küsten spielen.

Sie hätte auch sagen können: „Ungefähr das Gegenteil von dem, was Du sonst so schreibst.“

Obwohl, das mit dem „lustig“ – ich meine schon, dass ich sehr viele witzige Szenen in meinen Büchern habe. Das wird gemeinhin viel zu wenig gewürdigt.

Aber ich habe versprochen, mich zu bemühen, diesen Vorgaben zu entsprechen, und glaube, auf einem guten Weg zu sein: Handlungsort wird zwar wieder nicht die Bretagne, die Nord- oder Ostseeküste sein, aber immerhin das romantische Ruhrgebiet.

abbieger worteSeitdem ich vor zwei Wochen heimlich mit dem Schreiben begonnen habe, sind  bereits 25.178 Wörter bzw. 164.962 Zeichen zusammengekommen, was ungefähr einem Drittel eines Buches entspricht.

Und es gibt bisher erst 1,5 Tote! Ach ne, eine habe ich vergessen, sind doch schon 2,5. Obwohl, bei der ist noch gar nicht klar, ob sie überhaupt eines unnatürlichen Todes gestorben ist. Die muss noch obduziert werden. Aber selbst wenn: Nur zweikommafünf Tote auf rund 100 Seiten! Wenn ich das mit ‚Die Abdreher‘ vergleiche… Da gab es schon vier Enthauptete allein im Prolog! Viel mehr Opfer können das im neuen Buch auch gar nicht mehr werden, weil ich den Hauptstrang der Handlung schon  von Anfang bis Ende durchgeschrieben habe. Doch wer weiß, was in den Nebenhandlungen noch alles passiert…

Wenn es mir  in meiner Eigenschaft als Ben Hur auf dem Streitwagen weiterhin gelingt, die in die verschiedenen Richtungen zerrenden Kampfrösser in Zaum zu halten (das ist gar nicht so leicht, diese Menschen in meinen Büchern  machen oft einfach, was sie wollen) und in die von mir erwartete Richtung zu klenken, könnte das beim nächsten Abenteuer von Schüppe & Baklzack wirklich was werden mit dem ‚Soft-Crime‘.

Abgabetermin ist Oktober, erscheinen soll das Werk dann voraussichtlich im Frühjahr 2017. Der Arbeitstitel lautet, wenig verwunderlich, „Die Ab……“

Ich werde hier doch noch nicht alles verraten!

indexDiese Meldung gab die Polizei im Hochsauerland heute (27.07.16) heraus, weil die Staaatsanwaltschaft den Vorfall jetzt, nach acht Monaten, als „versuchten Mord“ einschätzt. Wie gefährlich im Wald gespannte Drahtseile werden können – „Die Abräumer“.

 

 

POL-HSK: Drahtseile im Wald

Bestwig (ots) – Am 22.11.2015 kam ein Motocrossfahrer in einem Waldgebiet zwischen Wasserfall und Heinrichsdorf zu Fall. Innerhalb eines Fichtenbestandes prallte der Mann gegen ein dort gespanntes Drahtseil. Bei dem anschließenden Sturz wurde der Mann glücklicherweise nur leichtverletzt. Im Bereich Stüppelturm/Dörnberg wurde noch ein weiterer gespannter Draht entdeckt. Das Anbringen von gespannten Drähten kann bei Mountainbikerin und Motocrossfahrern zu erheblichen Verletzungen bis hin zum Tode führen. Im vorliegenden Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Arnsberg wegen versuchten Mordes. Die Kriminalpolizei bittet um Hinweise die zur Ermittlung des Täters führen können. Wer hat im November 2015 verdächtige Feststellung in den oben beschriebenen Waldgebieten machen können?

 

Wie Kaffee richtig wach macht

Heute morgen habe ich die ultimative Methode gefunden, um mit dem Inhalt einer Tasse Kaffee die Lebensgeister zweier Menschen so richtig zu wecken.

Die Ausgangssituation sehen wir auf Bild 1, nach Beendigung der erforderlichen Maßnahmen nachgestellt. Konnte ich vorher ja nicht ahnen, dass das noch wichtig wird. Auf dem Weg vom Bad ins Schlafzimmer über die Galerie, von der herab ich bei spontanen Treppenhaus-Lesungen meine Texte zu rezitieren pflege, habe ich die gefüllte Tasse auf der üblichen Zwischenablage abgestellt, das ist die Ecke vom Treppengeländer. Kaffe1a

Dieser formschöne Becher, bruchfest und spülmaschinengeeignet, begleitet mich seit Jahren. Nicht nur er,  drei identische Exemplare sind strategisch günstig zu Hause, in der Redaktion und im Auto verteilt. Erworben vor vielen Jahren bei Aldi Nord, zum Stückpreis von etwa zwei Euro (oder waren das noch D-Mark?). Damals, als der Werkstoff Edelstahl nicht nur dort noch preiswert war. Ich habe den Kaffeepott noch einmal etwas closer fortografiert, in seiner natürlichen Umgebung neben Rechner, Kippen und Aschenbecher. Damit ihr ihn in seiner ganzen Schönheit würdigen könnt.

Kaffeepott

Jedenfalls stand meine Alutasse jetzt auf der Zwischenablage, der Geländerecke. Hochglanzpoliert (nicht von mir, ab Werk), 9,00 cm hoch, rund 7,8 cm Durchmesser, gefüllt mit 0,25 Litern dampfenden Melitta-Kaffees. Falls ihr euch wundert, woher ich so genau weiß, wie viel Flüssigkeit dort hineinpasst: Die Füllmenge habe ich heute höchstpersönlich in einem wissenschaftlichen Versuch unter Zuhilfenahme eines Heineken-Bierglases ermittelt. Mit Leitungswasser, nach dem Malheur.

Zurck zur Handlung: Der Plan war, den Kaffeepott auf dem Weg nach unten en passant an der Geländerecke wieder einzusammeln. Irgendetwas muss in den wenigen Minuten beim Zwischenstopp im Schlafzimmer passiert sein, dass mich die aktuelle Position meiner geliebten Aldi-Alutasse vergessen ließ.

Die nachfolgende Szene, wie ich beim Gang zur Treppe mit meinem Ellbogen den Kaffeepott ankicke, er im hohen Bogen, sich mehrfach um sich selbst drehend, durch den Flur fliegt, wobei man sehr schön das Verteilen des Inhalts auf Treppenstufen, Geländer und ursprünglich mal weiß gestrichenen Wänden beobachten kann, habe ich leider nicht im Bild. Wollte ich jetzt auch nicht noch mal nachstellen. Deshalb gibt es Foto Nummer 3 nicht, das muss man sich denken.

Auf Bild 4 können wir, zumindest ansatzweise, das Ergebnis erkennen. Man beachte, wie unschuldig die Tasse nach ihrem Ausflug am Fuß der Treppe steht. Richtig herum gelandet, ohne Blessuren, zur Aufnahme neuer Flüssigkeiten bereit. Das Foto entstand kurz nach dem Malheur, laut H. war mein hilfloser Gesichtsausdruck am besten mit „..und der Vater blickte stumm..“ zu beschreiben.

Kaffe2

H. hat überhaupt nicht geschimpft. Sondern mir einen Aufnehmer in die Hand gedrückt, mit dem ich die ca. 0,2 Liter abwischen konnte, die auf den Treppenstufen gelandet waren. Während ich das in bandscheibenmordender Haltung stöhnend und ächzend von oben nach unten (ich wollte ja nicht in die Suppe hineintreten) irgendwie bewerkstelligt habe, das alles natürlich nackt, weil das mein aktueller Aggregatszustand war und ich mir ja nicht noch irgendwelche Klamotten versauen wollte, hat sie selbst mit einem zweiten Lappen die geringere Menge , also rund 0,05 Liter, beseitigt. Vorher habe ich aber noch mein Telefon in Sicherheit gebracht, damit nicht auf geheimnisvollem Wege kompromittierende Fotos entsstehen konnten. Foto 5 fehlt also absichtlich, in diesem Fall muss man es sich aber Kaffeespurennicht denken.

Dieses bisschen kaffeebraune Flüssigkeit, das auf den weißen Wänden ihren Niederschlag fand, hat dort allerdings sehr viel effektiver gewirkt und deutlich sichtbarere Spuren hinterlassen als die größere Menge auf der lackierten Treppe, wo sie nicht einziehen konnte. Zum Glck ist H. ein positiv denkender Mensch, der in jedem Miß-Geschick noch das Gute zu sehen in der Lage ist. Abtauer FlurZum Beispiel, dass das unscheinbare Poster (ca 2,00 Meter x 1,20 Meter) mit dem Cover von „Die Abtaucher“, das man normalerweise in unserem Treppenhaus gar nicht so richtig wahrnimmt, flüssigkeitsabweisend beschichtet ist und einen Großteil der Wand vor Kaffeeflecken geschützt hat.

Und dass diese Variante des Treppenputzens von oben nach unten in ungewohnter Körperhaltung gut gegen meinen Bewegungsmangel und für den Aufbau von Muskeln geeignet sei, an Stellen des Körpers, die man sonst nicht trainiert. Ich hingegen frage mich jetzt schon den ganzen Tag, ob es sich bei der Bandscheibe um einen Muskel handelt.

Das Bücken, um in die letzten Ecken zu kommen, das Recken, um auch die Spuren über den Türrahmen zu beseitigen, hat sie einfach als Frühsport betrachtet. Und als eine andere Variante, um von Kaffee wach zu werden. Fotografieren lassen wollte H. sich dabei allerdings nicht. Deshalb fehlt auch Foto Nummer 7, das sicherlich aufgrund der äußerst sparsamen Nachtbekleidung, die meine Freundin dabei noch trug, das interessanteste Bild in dieser Galerie geworden wäre.

Jedenfalls hat der Fluch Flug der Kaffeetasse und unsere anschlieenden sportlichen Tätigkeiten dazu beigetragen, ihren Kreislauf und meinen Blutdruck anzukurbeln. Wahrscheinlich mehr, als es das Koffein im verschütteten Kaffee allein vermocht hätte.

Vor Steuern

Zum ersten Mal muss ich eine Steuererklärung erstellen, in der auch die Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit meiner Autorentätigkeit aufgelistet werden. Aktuell frage ich mich gerade, wie ich dem Finanzamt die Diskrepanz zwischen der Anzahl  der von mir verschickten und teilweise sogar persönlich zugestellten Rezensionsexemplare und den daraus resultierenden Besprechungen klar machen soll. Werbungskosten? Schwund? Liebhaberei? Fragen, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe.

Denn in meiner Welt bekommt man nichts geschenkt. Wenn ich  bei einem Autoren ein Buch zur Besprechung anfordern würde, sähe ich das als meine moralische Pflicht an, auch die Gegenleistung einer Rezension abzuliefern. Wenn ich den Roman nur lesen will, weil mich das Thema oder der Autor interessieren, dann kaufe ich es mir eben. Aber das sehen  viele im Zusammenhang mit Büchern wohl anders. Ich kann mich noch gut an das Gespräch mit einem Bekannten erinnern, wenige Wochen, nachdem mein erster Kriminalroman  erschienen war.

Er erzählte mir, das Buch bereits gelesen zu haben.  Damals war ich als frischgebackener Autor noch stolz darauf, einem leibhaftigen Leser meines Werkes gegenüber zu stehen. Wie es ihm generell gefallen habe, welche Stellen er besonders gut fand, welche weniger, wollte ich wissen. Und natürlich habe ich ganz naiv gefragt, aus welcher Buchhandlung er ‚Die Abtaucher‘ hätte,  ob sie dort vorrätig waren oder extra bestellt werden mussten.

Der junge Mann hat mich, den unerfahrenen Schöpfer des kommenden Weltbestsellers, nur angesehen, als ob ich nicht alle Latten am Zaun hätte: „Wieso gekauft? Ich bin doch nicht bescheuert und gebe dafür Geld aus! Das habe ich mir natürlich umsonst besorgt.“ Auf meinen verständnislosen Blick hin hat er mir Greenhorn stolz einige der Platformen im Netz gezeigt, von denen man sich  illegal hochgeladene Bücher illegal herunterladen kann. Für Umme.  Drei Klicks auf einer Seite gegen monatelange Beschäftigung mit Denken, Schreiben, Verlagssuche, Überarbeiten, Bewerben des Buches. Der Kollege hatte, selbst mir gegenüber,  dem Urheber und Rechteeigentümer, nicht das geringste Unrechtsbewusstsein.

Ich war erschüttert und habe ihn dann noch gefragt, ob er an einem der nächsten Tage als Kameraassistent für mich arbeiten könne: Klar. Auch umsonst? Wie ich denn darauf käme…  Nein, das könne man nicht mit dem illegalen Download vergleichen, das seien ja nur Daten, deren Erstellung nichts gekostet habe. Bei einem Taschenbuch sei das ja anders, das Papier, der Druck und so weiter.

Was ich damit sagen will: In so einem Werk steckt ja sehr viel Gehirnschmalz und Zeitaufwand, der vorher investiert werden muss und dessen Wert nur schwer in Euro zu beziffern ist. Aber jeder Cent, der als Frucht dieser Mühen hereinkommt, wird vom Finanzamt nur ungern mit  der vorherigen Arbeit verrechnet, die sich über Jahre hingezogen haben kann, mit schwer zu belegenden Ausgaben für Recherchefahrten usw.. Wie soll ich zum Beispiel nachweisen, dass ich an einem bestimmten Tag des Jahres 2015 extra nach Paderborn gereist bin, um mir bestimmte örtliche Gegebenheiten für ‚Die Abräumer‘ noch einmal genau anzusehen? Ich habe dort nicht getankt oder Kaffee getrunken, kann also keine entsprechenden Quittungen vor- und damit die Reise nicht nachweisen, bleibe also auf den Fahrtkosten sitzen. Für das Finanzamt hat diese Reise damit nicht stattgefunden.

Die Leute, die ohne eigene Leistung und Kosten von meiner Arbeit profitieren, die Betreiber und Nutzer dieser illegalen Platformen, bleiben hingegen  anscheinend (nicht nur) von den (Finanz-) Behörden unbehelligt. Die Internetseiten, die der Kollege  mir damals, vor zwei Jahren,  gezeigt hat, irgendwo im Ausland registriert, die gibt es immer noch. Für deren Eigentümer ist wirklich „Einnahme gleich Gewinn“. Dort werden jetzt alle drei Bücher von mir zum kostenlosen Download angeboten.