„Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen“ – die Mühen des Lektorats

Im Lektorat wird ja nicht nur auf korrekte Schreibweise und Satzzeichen im Manuskript geachtet, sondern auch auf unverständliche oder unlogische Textstellen und sachliche Fehler. Da können auch scheinbare Kleinigkeiten, die den meisten Lesern wohl nicht auffallen würden, viel Arbeit machen. Ein kleiner Satz kann manchmal lange Diskussionen auslösen. Zum Beispiel dieser:.

Der Reporter hielt auf einer der Bushaltestellen direkt vor dem Hauptbahnhof.

Über diese Aussage in ‚Die Abdreher’ ist die Lektorin gestolpert, denn: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“

Jetzt hast du als in dieser Stadt nur zugewanderter Autor ein Problem. Denn die Dortmunder Lektorin des Dortmunder Verlages sagt das nicht einfach so. Sie hat das dort zwar anders in Erinnerung, also HBF 2008ohne Haltestellen, war aber selbst schon länger nicht am Hauptbahnhof. Deshalb hat sie extra noch ihre Bekannten gefragt und bei google-maps nachgesehen. Sowohl die Leute als auch die Karte haben sie in ihrer Meinung bestätigt: Königswall, Grünstreifen, Taxihalteplatz, Bahnhofsgebäude. Keine Haltestellen.

Du erzählst das deiner Muse. H. sagt: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“ Aber auch sie war schon lange nicht mehr dort, fragt ebenfalls nach, als Ur-Dortmunderin bei Ur-Dortmundern. Wieder sind sich alle einig: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“ Und einige von ihnen sind dort noch vor ein paar Tagen vorbeigekommen.

Du bist ratlos. Du weißt das doch ganz genau. Du hast doch im wirklichen Leben schon x-mal dort gehalten. Auf einer farblich abgesetzten Spur neben dem Königswall vorm Dortmunder Hauptbahnhof, da, wo die Busse an diversen Haltestellen-Schildern Passagiere ausspucken und einladen. Und die Karte von google maps ist von 2008, also total veraltet.

Deine Argumente zählen nicht. Du bist eigentlich Essener, dazu noch Schalker, und kokettierst ständig mit Deiner immer noch schlechten Ortskenntnis der Stadt, in der du jetzt seit Jahren wohnst. Wahrscheinlich, wird unterstellt, hättest Du geglaubt, am Dortmunder Hauptbahnhof zu sein, wärest in Wirklichkeit aber am Bahnhof in Lünen oder Langendreer gewesen. Bei deinem schlechten Orientierungssinn …

Du beginnst zu verzweifeln. Was kannt Du tun, um diese Dortmunder, die nicht nur im Fußball meinen, immer die Wahrheit gepachtet zu haben, zu überzeugen? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Du lässt Dich also mitten in der Nacht vom Navi Deines Autos zum Dortmunder Hauptbahnhof lotsen, hältst genau dort an, wo DuHBF im wirklichen Leben Deinen Kameramann immer absetzt, und fabrizierst mit dem Smartphone dieses zugegeben schlechte Foto. Schlecht, weil die Haltespur für die Busse in Wirklichkeit noch viel länger ist als auf dem Bild und dort natürlich mehr als die maximal zwei auf der Nachtaufnahme erkennbaren Haltestellenschilder stehen. Nur widerwillig wird dein Beweisfoto akzeptiert: „Na gut, dann sind da eben doch Bushaltestellen. Die sind uns aber noch nie aufgefallen.“

Natürlich hätte man im Manuskript einfach das Wort „Bushaltestelle“ durch „Taxihalteplatz“ ersetzen können, und (fast) alle wären glücklich gewesen. So viele Diskussionen um einen kleinen, unwichtigen Satz. Zehn Wörter, 72 Zeichen inklusive Leerzeichen. Das gesamte Manuskript besteht aus 75.201 Wörtern und 485.161 Zeichen.
Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin dankbar für jede kritische Nachfrage der Lektorin. Denn obwohl ich mir ja bekanntlich nix ausdenke, unterlaufen mir viele Fehler. Vielleicht habt ihr aber jetzt eine Vorstellung davon bekommen, warum es so lange dauert, bis ein Buch nach Einreichung des Manuskripts endlich erscheint. Hoffentlich können wir den avisierten 15. März 2016 halten. Denn wir müssen ja auch noch über den IS im Ruhrgebiet, Dabiq, Nazis, smart textiles, die italienische Mafia auf Formentera sowie die Dortmunder Nordstadt als rechtsfreien Raum diskutieren.

abtaucher sophia

Und dann muss ich meine Verlegerin noch davon überzeugen, dass es, auch wenn das Buch ‘Die Abdreher’ heißt,  nicht zu abgedreht ist, eine Frau mit Körbchengröße 70K darin vorkommen zu lassen. Ich höre sie schon sagen: “Zu unrealistisch”. Denn das Dschungelcamp guckt Frau R. wohl eher nicht. Für diesen Fall bin ich aber gewappnet, ich hätte auch dafür noch ein etwas älteres Beweisfoto….