Vor Steuern

Zum ersten Mal muss ich eine Steuererklärung erstellen, in der auch die Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit meiner Autorentätigkeit aufgelistet werden. Aktuell frage ich mich gerade, wie ich dem Finanzamt die Diskrepanz zwischen der Anzahl  der von mir verschickten und teilweise sogar persönlich zugestellten Rezensionsexemplare und den daraus resultierenden Besprechungen klar machen soll. Werbungskosten? Schwund? Liebhaberei? Fragen, über die ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe.

Denn in meiner Welt bekommt man nichts geschenkt. Wenn ich  bei einem Autoren ein Buch zur Besprechung anfordern würde, sähe ich das als meine moralische Pflicht an, auch die Gegenleistung einer Rezension abzuliefern. Wenn ich den Roman nur lesen will, weil mich das Thema oder der Autor interessieren, dann kaufe ich es mir eben. Aber das sehen  viele im Zusammenhang mit Büchern wohl anders. Ich kann mich noch gut an das Gespräch mit einem Bekannten erinnern, wenige Wochen, nachdem mein erster Kriminalroman  erschienen war.

Er erzählte mir, das Buch bereits gelesen zu haben.  Damals war ich als frischgebackener Autor noch stolz darauf, einem leibhaftigen Leser meines Werkes gegenüber zu stehen. Wie es ihm generell gefallen habe, welche Stellen er besonders gut fand, welche weniger, wollte ich wissen. Und natürlich habe ich ganz naiv gefragt, aus welcher Buchhandlung er ‘Die Abtaucher’ hätte,  ob sie dort vorrätig waren oder extra bestellt werden mussten.

Der junge Mann hat mich, den unerfahrenen Schöpfer des kommenden Weltbestsellers, nur angesehen, als ob ich nicht alle Latten am Zaun hätte: „Wieso gekauft? Ich bin doch nicht bescheuert und gebe dafür Geld aus! Das habe ich mir natürlich umsonst besorgt.“ Auf meinen verständnislosen Blick hin hat er mir Greenhorn stolz einige der Platformen im Netz gezeigt, von denen man sich  illegal hochgeladene Bücher illegal herunterladen kann. Für Umme.  Drei Klicks auf einer Seite gegen monatelange Beschäftigung mit Denken, Schreiben, Verlagssuche, Überarbeiten, Bewerben des Buches. Der Kollege hatte, selbst mir gegenüber,  dem Urheber und Rechteeigentümer, nicht das geringste Unrechtsbewusstsein.

Ich war erschüttert und habe ihn dann noch gefragt, ob er an einem der nächsten Tage als Kameraassistent für mich arbeiten könne: Klar. Auch umsonst? Wie ich denn darauf käme…  Nein, das könne man nicht mit dem illegalen Download vergleichen, das seien ja nur Daten, deren Erstellung nichts gekostet habe. Bei einem Taschenbuch sei das ja anders, das Papier, der Druck und so weiter.

Was ich damit sagen will: In so einem Werk steckt ja sehr viel Gehirnschmalz und Zeitaufwand, der vorher investiert werden muss und dessen Wert nur schwer in Euro zu beziffern ist. Aber jeder Cent, der als Frucht dieser Mühen hereinkommt, wird vom Finanzamt nur ungern mit  der vorherigen Arbeit verrechnet, die sich über Jahre hingezogen haben kann, mit schwer zu belegenden Ausgaben für Recherchefahrten usw.. Wie soll ich zum Beispiel nachweisen, dass ich an einem bestimmten Tag des Jahres 2015 extra nach Paderborn gereist bin, um mir bestimmte örtliche Gegebenheiten für ‘Die Abräumer’ noch einmal genau anzusehen? Ich habe dort nicht getankt oder Kaffee getrunken, kann also keine entsprechenden Quittungen vor- und damit die Reise nicht nachweisen, bleibe also auf den Fahrtkosten sitzen. Für das Finanzamt hat diese Reise damit nicht stattgefunden.

Die Leute, die ohne eigene Leistung und Kosten von meiner Arbeit profitieren, die Betreiber und Nutzer dieser illegalen Platformen, bleiben hingegen  anscheinend (nicht nur) von den (Finanz-) Behörden unbehelligt. Die Internetseiten, die der Kollege  mir damals, vor zwei Jahren,  gezeigt hat, irgendwo im Ausland registriert, die gibt es immer noch. Für deren Eigentümer ist wirklich “Einnahme gleich Gewinn”. Dort werden jetzt alle drei Bücher von mir zum kostenlosen Download angeboten.

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