Wie Kaffee richtig wach macht

Heute morgen habe ich die ultimative Methode gefunden, um mit dem Inhalt einer Tasse Kaffee die Lebensgeister zweier Menschen so richtig zu wecken.

Die Ausgangssituation sehen wir auf Bild 1, nach Beendigung der erforderlichen Maßnahmen nachgestellt. Konnte ich vorher ja nicht ahnen, dass das noch wichtig wird. Auf dem Weg vom Bad ins Schlafzimmer über die Galerie, von der herab ich bei spontanen Treppenhaus-Lesungen meine Texte zu rezitieren pflege, habe ich die gefüllte Tasse auf der üblichen Zwischenablage abgestellt, das ist die Ecke vom Treppengeländer. Kaffe1a

Dieser formschöne Becher, bruchfest und spülmaschinengeeignet, begleitet mich seit Jahren. Nicht nur er,  drei identische Exemplare sind strategisch günstig zu Hause, in der Redaktion und im Auto verteilt. Erworben vor vielen Jahren bei Aldi Nord, zum Stückpreis von etwa zwei Euro (oder waren das noch D-Mark?). Damals, als der Werkstoff Edelstahl nicht nur dort noch preiswert war. Ich habe den Kaffeepott noch einmal etwas closer fortografiert, in seiner natürlichen Umgebung neben Rechner, Kippen und Aschenbecher. Damit ihr ihn in seiner ganzen Schönheit würdigen könnt.

Kaffeepott

Jedenfalls stand meine Alutasse jetzt auf der Zwischenablage, der Geländerecke. Hochglanzpoliert (nicht von mir, ab Werk), 9,00 cm hoch, rund 7,8 cm Durchmesser, gefüllt mit 0,25 Litern dampfenden Melitta-Kaffees. Falls ihr euch wundert, woher ich so genau weiß, wie viel Flüssigkeit dort hineinpasst: Die Füllmenge habe ich heute höchstpersönlich in einem wissenschaftlichen Versuch unter Zuhilfenahme eines Heineken-Bierglases ermittelt. Mit Leitungswasser, nach dem Malheur.

Zurck zur Handlung: Der Plan war, den Kaffeepott auf dem Weg nach unten en passant an der Geländerecke wieder einzusammeln. Irgendetwas muss in den wenigen Minuten beim Zwischenstopp im Schlafzimmer passiert sein, dass mich die aktuelle Position meiner geliebten Aldi-Alutasse vergessen ließ.

Die nachfolgende Szene, wie ich beim Gang zur Treppe mit meinem Ellbogen den Kaffeepott ankicke, er im hohen Bogen, sich mehrfach um sich selbst drehend, durch den Flur fliegt, wobei man sehr schön das Verteilen des Inhalts auf Treppenstufen, Geländer und ursprünglich mal weiß gestrichenen Wänden beobachten kann, habe ich leider nicht im Bild. Wollte ich jetzt auch nicht noch mal nachstellen. Deshalb gibt es Foto Nummer 3 nicht, das muss man sich denken.

Auf Bild 4 können wir, zumindest ansatzweise, das Ergebnis erkennen. Man beachte, wie unschuldig die Tasse nach ihrem Ausflug am Fuß der Treppe steht. Richtig herum gelandet, ohne Blessuren, zur Aufnahme neuer Flüssigkeiten bereit. Das Foto entstand kurz nach dem Malheur, laut H. war mein hilfloser Gesichtsausdruck am besten mit “..und der Vater blickte stumm..” zu beschreiben.

Kaffe2

H. hat überhaupt nicht geschimpft. Sondern mir einen Aufnehmer in die Hand gedrückt, mit dem ich die ca. 0,2 Liter abwischen konnte, die auf den Treppenstufen gelandet waren. Während ich das in bandscheibenmordender Haltung stöhnend und ächzend von oben nach unten (ich wollte ja nicht in die Suppe hineintreten) irgendwie bewerkstelligt habe, das alles natürlich nackt, weil das mein aktueller Aggregatszustand war und ich mir ja nicht noch irgendwelche Klamotten versauen wollte, hat sie selbst mit einem zweiten Lappen die geringere Menge , also rund 0,05 Liter, beseitigt. Vorher habe ich aber noch mein Telefon in Sicherheit gebracht, damit nicht auf geheimnisvollem Wege kompromittierende Fotos entsstehen konnten. Foto 5 fehlt also absichtlich, in diesem Fall muss man es sich aber Kaffeespurennicht denken.

Dieses bisschen kaffeebraune Flüssigkeit, das auf den weißen Wänden ihren Niederschlag fand, hat dort allerdings sehr viel effektiver gewirkt und deutlich sichtbarere Spuren hinterlassen als die größere Menge auf der lackierten Treppe, wo sie nicht einziehen konnte. Zum Glck ist H. ein positiv denkender Mensch, der in jedem Miß-Geschick noch das Gute zu sehen in der Lage ist. Abtauer FlurZum Beispiel, dass das unscheinbare Poster (ca 2,00 Meter x 1,20 Meter) mit dem Cover von “Die Abtaucher”, das man normalerweise in unserem Treppenhaus gar nicht so richtig wahrnimmt, flüssigkeitsabweisend beschichtet ist und einen Großteil der Wand vor Kaffeeflecken geschützt hat.

Und dass diese Variante des Treppenputzens von oben nach unten in ungewohnter Körperhaltung gut gegen meinen Bewegungsmangel und für den Aufbau von Muskeln geeignet sei, an Stellen des Körpers, die man sonst nicht trainiert. Ich hingegen frage mich jetzt schon den ganzen Tag, ob es sich bei der Bandscheibe um einen Muskel handelt.

Das Bücken, um in die letzten Ecken zu kommen, das Recken, um auch die Spuren über den Türrahmen zu beseitigen, hat sie einfach als Frühsport betrachtet. Und als eine andere Variante, um von Kaffee wach zu werden. Fotografieren lassen wollte H. sich dabei allerdings nicht. Deshalb fehlt auch Foto Nummer 7, das sicherlich aufgrund der äußerst sparsamen Nachtbekleidung, die meine Freundin dabei noch trug, das interessanteste Bild in dieser Galerie geworden wäre.

Jedenfalls hat der Fluch Flug der Kaffeetasse und unsere anschlieenden sportlichen Tätigkeiten dazu beigetragen, ihren Kreislauf und meinen Blutdruck anzukurbeln. Wahrscheinlich mehr, als es das Koffein im verschütteten Kaffee allein vermocht hätte.

Ein Gedanke zu “Wie Kaffee richtig wach macht

  1. Schön. Kannse aba getz nichmeer ainraichn – weil iss ja schonn puppliziehrt! Trozzdäm – also, Glückwunsch, dass du wieder da bist. Meine bzw. unsere HP wird in den nächsten Tagen fertig. Ob wohl die Konkurrenten aus der Eifel oder aus Köln unsere Sites systematisch plattmachen? Bei mir schon das 2. Mal.

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