Werner Mauss vor Gericht


Er war eine Legende, galt  als deutscher James Bond. Wenn BND oder Verfassungsschutz heikle Aufgaben im Graubereich zu erledigen hatten, bei der weltweiten  Terroristenjagd oder bei Geiselbefreiungen, wurde der freischaffende Künstler Werner Mauss eingesetzt. Und immer fürstlich honoriert, sein Privatvermögen soll sich auf um die 100 Millionen Euro belaufen.  In Bochum steht Werner Mauss, alias Klaus Moellner, alias Dieter Koch, alias… seit heute wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.  Laut Anklage soll der Ex-Agent  in den Jahren 2002 bis 2013 Einkünfte zwischen 1,87 bis 5,22 Millionen Euro verheimlicht haben, wodurch sich Einkommenssteuerhinterziehungen in Höhe von insgesamt 14.453.538 Euro sowie nicht gezahlte Solidaritätszuschläge in Höhe von 794.443 Euro errechnen. Er selbst sagt, das sei gar nicht sein Geld, sondern ein Fonds, der von verschiedenen Firmen und Institutionen gespeist worden sei, Kampfgeld für seine Geheimaktionen.  Den Spießrutenlauf  durch den Haupteingang, vorbei an der Phalanx wartender Kameras, ersparte das Gericht dem Mann, von dem bis zum Jahre 2000 nicht einmal ein Foto existierte. Im Gerichtssaal  konnte er den Journalisten nicht mehr entkommen, dort demaskierte sich die lebende Legende. Wer Haarteil und Camouflage-Theaterschminke erwartet hatte oder selbstbewusstes  Zeigen des Gesichts, wurde enttäuscht. Der 76jährige Mauss  präsentierte sich mit ins Gesicht gezogener Kapuze im schnöden  blauen Anorak, wie James Bond ihn nicht einmal auf der Skipiste in Willingen im Sauerland  tragen würde.