Neulich bei Lippermanns in der Küche…

Wie ich aus zahlreichen Leser-Reaktionen erfahren habe, ist für viele Klausis Mutter der heimliche Star in ‘Die Abbieger’. Und Elfriede Lippermann weiß, wie der Hase läuft, von ihr könnt ihr noch was lernen. Gestern nachmittag in der Küche ihres Zechenhauses:

„Klausiiii… tu doch deine Mutti mal nach Hombruch in den Laden von den Herr Mayer mit die Büchers fahren.“
Klaus-Werner Lippermann erschrak über diesen exotischen Wunsch seiner Mutter und verschluckte sich fast. Was heckte Elfriede jetzt schon wieder aus?
„Jetzt guck nicht so prokorötig, Junge. Ich muss Geschenke kaufen, für Ostern.“
„Ja, also, Mutti…Du hast doch noch nie Bücher verschenkt, und Ostern ist doch erst…“
„Klausi, Klausi. Du kriegst auch nix mit vom Leben. Et gibt da doch dat neue Buch mit die Staus und die Tierkes. Die Abbieger heißt dat. Lustig und spannend. Dabei geht et sich zwar um Karnickels, aber zum Hasenfest … Hauptsache, lange Ohren. Und bevor dat Büchsken überall ausverkauft is, tu ich mich jetzt schon ein paar Exemplare besorgen. Zum Beispiel für die Frau vom Sozialdienst, die mich immer hilft, und für die Frau Koslowski ausse Zechenstraße. Damit die mal auf andere Gedanken kommt. Der ihre Tochter, dat Claudia, is ja immer noch wech. Wahrscheinlich durchgebrannt mit einem von die Yüksel-Jungs. Die Claudi kann so schön singen, dat wäre so eine nette Schwiegertochter gewesen…“
Lippermann erhob sich, schluckte den Rest seiner Möhre hinunter und unterbrach die aufkommende Schwärmerei seiner Mutter für die Amateur-Schlagersängerin: „Dann lass uns jetzt fahren, bevor die letzten Exemplare weg sind. Ich warte dann am Besten im Auto, während Du einkaufst.“
„Nix da, du kommst schön mit rein. Da arbeiten ganz nette Buchhändlerinnen, dat weiß ich aus sicherer Quelle. Vielleicht ist ja für dich eine dabei…“
Resigniert griff Klaus-Werner nach dem Autoschlüssel und setzte seine braune Kordsamt-Kappe auf. Wenn Du wüsstest, Elfriede, dachte er, während er mit seiner Mutter das Haus verließ.

Der Flugpanzer

Einen kurzen Moment lang hatte Tom Balzack die Sorge, dass sein Flugpanzer auf die lautstarken Rückrufe aus Wolfsburg reagieren, sich wie von Geisterhand in Fahrt setzen und dem Lemmingszug  in Richtung Werkstatt anschließen könnte. Als er aber aus dem Fenster der Redaktion am Waldesrand blickte, sah er den Volkswagen dort unbeeindruckt in Ruhestellung verharren. Der Reporter wusste: Nur ein Knopfdruck, und das Dieselherz des schwarzen Tieres würde zu grollen beginnen. Ein kurzer Tritt mit dem Fuß, er würde wie ein Stier nach vorn stürmen, gierig auf weitere Abenteuer mit Tom und Harry.
PS: Hatte ich eigentlich schon die Sache mit meinem Führerschein erwähnt?

Fünf Leichen, und wo bleibt das Positive?

In meinen Kriminalromanen geht es naturgemäß um Mord und Totschlag. Aber es gibt  auch unterhaltsame und lustige Momente. Am Ende von ‚Die Abräumer’ hat der Reporter Tom Balzack seiner Charly zum Geburtstag einen Hund geschenkt. Jetzt, in ‚Die Abdreher’, gehört der bereits fest zur Familie. Es handelt sich um einen Labradoodle, eine Kreuzung aus Pudel und Labrador Retriever. Für Tom, er ist eigentlich kein ausgeprägter Tierfreund, hat der Hund einen entscheidenden Vorteil, der sich auch in dessen Namen widerspiegelt. Der Rüde heißt Renault, weil: Er springt nicht an. Ganz im Gegensatz zu Rocky, dem Westhighland-Terrier des Rentners Heinrich Gomez, der Tom schon einmal die Jeans versaut hat.  Also der Hund, nicht der Rentner. Was Herr Gomez Tom und der “Frau Charly” wegen Renault empfiehlt, kostet Tom fast das Leben und führt zu … ach, lest selbst.

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„Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen“ – die Mühen des Lektorats

Im Lektorat wird ja nicht nur auf korrekte Schreibweise und Satzzeichen im Manuskript geachtet, sondern auch auf unverständliche oder unlogische Textstellen und sachliche Fehler. Da können auch scheinbare Kleinigkeiten, die den meisten Lesern wohl nicht auffallen würden, viel Arbeit machen. Ein kleiner Satz kann manchmal lange Diskussionen auslösen. Zum Beispiel dieser:.

Der Reporter hielt auf einer der Bushaltestellen direkt vor dem Hauptbahnhof.

Über diese Aussage in ‚Die Abdreher’ ist die Lektorin gestolpert, denn: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“

Jetzt hast du als in dieser Stadt nur zugewanderter Autor ein Problem. Denn die Dortmunder Lektorin des Dortmunder Verlages sagt das nicht einfach so. Sie hat das dort zwar anders in Erinnerung, also HBF 2008ohne Haltestellen, war aber selbst schon länger nicht am Hauptbahnhof. Deshalb hat sie extra noch ihre Bekannten gefragt und bei google-maps nachgesehen. Sowohl die Leute als auch die Karte haben sie in ihrer Meinung bestätigt: Königswall, Grünstreifen, Taxihalteplatz, Bahnhofsgebäude. Keine Haltestellen.

Du erzählst das deiner Muse. H. sagt: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“ Aber auch sie war schon lange nicht mehr dort, fragt ebenfalls nach, als Ur-Dortmunderin bei Ur-Dortmundern. Wieder sind sich alle einig: „Am Dortmunder Hauptbahnhof gibt es keine Bushaltestellen.“ Und einige von ihnen sind dort noch vor ein paar Tagen vorbeigekommen.

Du bist ratlos. Du weißt das doch ganz genau. Du hast doch im wirklichen Leben schon x-mal dort gehalten. Auf einer farblich abgesetzten Spur neben dem Königswall vorm Dortmunder Hauptbahnhof, da, wo die Busse an diversen Haltestellen-Schildern Passagiere ausspucken und einladen. Und die Karte von google maps ist von 2008, also total veraltet.

Deine Argumente zählen nicht. Du bist eigentlich Essener, dazu noch Schalker, und kokettierst ständig mit Deiner immer noch schlechten Ortskenntnis der Stadt, in der du jetzt seit Jahren wohnst. Wahrscheinlich, wird unterstellt, hättest Du geglaubt, am Dortmunder Hauptbahnhof zu sein, wärest in Wirklichkeit aber am Bahnhof in Lünen oder Langendreer gewesen. Bei deinem schlechten Orientierungssinn …

Du beginnst zu verzweifeln. Was kannt Du tun, um diese Dortmunder, die nicht nur im Fußball meinen, immer die Wahrheit gepachtet zu haben, zu überzeugen? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Du lässt Dich also mitten in der Nacht vom Navi Deines Autos zum Dortmunder Hauptbahnhof lotsen, hältst genau dort an, wo DuHBF im wirklichen Leben Deinen Kameramann immer absetzt, und fabrizierst mit dem Smartphone dieses zugegeben schlechte Foto. Schlecht, weil die Haltespur für die Busse in Wirklichkeit noch viel länger ist als auf dem Bild und dort natürlich mehr als die maximal zwei auf der Nachtaufnahme erkennbaren Haltestellenschilder stehen. Nur widerwillig wird dein Beweisfoto akzeptiert: „Na gut, dann sind da eben doch Bushaltestellen. Die sind uns aber noch nie aufgefallen.“

Natürlich hätte man im Manuskript einfach das Wort „Bushaltestelle“ durch „Taxihalteplatz“ ersetzen können, und (fast) alle wären glücklich gewesen. So viele Diskussionen um einen kleinen, unwichtigen Satz. Zehn Wörter, 72 Zeichen inklusive Leerzeichen. Das gesamte Manuskript besteht aus 75.201 Wörtern und 485.161 Zeichen.
Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin dankbar für jede kritische Nachfrage der Lektorin. Denn obwohl ich mir ja bekanntlich nix ausdenke, unterlaufen mir viele Fehler. Vielleicht habt ihr aber jetzt eine Vorstellung davon bekommen, warum es so lange dauert, bis ein Buch nach Einreichung des Manuskripts endlich erscheint. Hoffentlich können wir den avisierten 15. März 2016 halten. Denn wir müssen ja auch noch über den IS im Ruhrgebiet, Dabiq, Nazis, smart textiles, die italienische Mafia auf Formentera sowie die Dortmunder Nordstadt als rechtsfreien Raum diskutieren.

abtaucher sophia

Und dann muss ich meine Verlegerin noch davon überzeugen, dass es, auch wenn das Buch ‘Die Abdreher’ heißt,  nicht zu abgedreht ist, eine Frau mit Körbchengröße 70K darin vorkommen zu lassen. Ich höre sie schon sagen: “Zu unrealistisch”. Denn das Dschungelcamp guckt Frau R. wohl eher nicht. Für diesen Fall bin ich aber gewappnet, ich hätte auch dafür noch ein etwas älteres Beweisfoto….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfolgungswahn?

Dear sirs from the NSA!
I’m very grateful that you like my book. But it ist a work of fiction an not a spy-report. You don’t have to take it for real. Therefore, please send away the blond guy with the sunglasses and the little fat man, both folllowing me since yesterday. If you are seriously interested in ‘Die Abtaucher’, please order it at amazon. If you don’t understand it in german, please bring me in contact to an american publishing house. For a small six-digit sum they can buy the international rights, translate and publish the book in the US. Then you can order your own copy in english and read. Reading helps, mostly.

Yours sincerely

Thomas Schweres